"Projekt Jakobsweg"

Wer das Ziel will, muss auch die Wege wollen
(Zitat aus "Pilgergebete", claudius Verlag)

Wie alles begann ...

"Nur die Füße tun mir Leid" hieß der Film von und mit Gabi Röhrl über den spanischen Jakobsweg, zu dem Margot uns im Januar 2020 ins Kino schleppte.

 

Auf Olafs Bemerkung hin, "so was könnte mir auch einmal gefallen...", waren wir uns recht schnell einig, dieses Projekt anzugehen.

 

Margot hatte bereits vor langer Zeit Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" gelesen, und seit dem spukte ihr das Interesse daran bereits im Kopf herum.

Die Recherche ...

Also suchten wir jetzt mal schnell einiges zusammen, was es an Artikeln, E-Books, Berichten oder Büchern zum Thema Jakobsweg zu lesen gab - das Internet ist ja voll davon. Die Begeisterung wuchs mit jedem Tag, bis wir uns tatsächlich langsam mit der Umsetzung des Vorhabens auseinander setzten.

 

Meine aller-, aller größten Sorgen mit Blick auf die lange Wanderung machte ich mir um meine Füße. Da ich bereits beim einfachen Spazierengehen innerhalb kürzester Zeit wundgescheuerte Stellen zwischen den kleinen Zehen bekomme, schwante mir fürchterliches beim Gehen solch langer Strecken. Auch die Bilder aus besagtem Film trugen ihr Übriges dazu bei.

Beim Recherchieren nach Möglichkeiten zur Vermeidung von Blasenbildungen beim Wandern stieß Margot dann auf sogenannte Anti-Blasen-Socken, das sind doppelwandige Socken, die einen zweilagigen Aufbau bevorzugen, wie z. B. von WRIGHTSOCK, DECATHLON oder Danish Endurance. Diese sollen Blasenbildung angeblich zuverlässig verhindern helfen.

Kurzerhand besorgten wir uns für unsere Trainings-Spaziergänge ebensolche Socken, nämlich das dünnste Modell von Wrightsock, die Profi Sportsocke Coolmesh II Quarter. Das Ergebnis war einfach phänomenal! In Verbindung mit gut eingecremten Füßen, speziell an den neuralgischen Stellen zwischen den Zehen, war Blasenbildung schlagartig kein Problem mehr - eine Riesensorge weniger.

Wer will, kann sich hierzu einen Testbericht über Wandersocken im Allgemeinen und im Speziellen über doppellagige Treckingsocken, eine praxiserprobte Abhandlung über Wandersocken, sowie einen Wrightsocks Kauftipp durchlesen.

Ein weiterer Tipp zur Vermeidung von Blasen ist, empfindliche oder bereits gereizte Stellen mit Tape (Rollenpflaster) zu schützen. Das beugt tatsächlich äußerst wirkungsvoll weiterem Wundscheuern vor und verhindert so auch zuverlässig eine anstehende Blasenbildung.
Extrem wichtig ist dabei, bereits bei der absolut kleinsten Andeutung eines Stechens oder Brennens SOFORT etwas zu unternehmen. Der größte Fehler ist, sich zu denken, das geht schon noch oder bis zur Herberge schaffe ich das schon noch - dann ists meist zu spät. Margot kann davon ein Lied singen, sie hatte tatsächlich etwas zu spät reagiert und sich eine riesige Blase am Ballen eingefangen, die eine starke Strapaze war, da sie erst gegen Ende der Reise wieder vollständig abheilte.


Dann war da ja noch die Frage nach den richtigen Wanderschuhen - auch nicht ganz unerheblich, um solch einen Gewaltmarsch möglichst ohne Probleme zu absolvieren.

Sollten es klassisch halbhohe Wanderschuhe mit Knöchelschutz sein oder reichen auf dem Camino vielleicht auch niedrige Trekkingschuhe aus? Wie lange muss man gehen, bis sie wirklich eingelaufen sind und auf keinen Fall mehr scheuern oder drücken?
Im Lauf der Lektüre sind wir immer mehr zu der Erkenntnis gelangt, dass der Trend offensichtlich hin zu sogenannten Trailrunning Schuhen auf dem Jakobsweg geht, da sie wesentlich leichter sind als klassische Wanderstiefel und eine bessere Flexibilität und Stoßdämpfung bieten. Ein leichterer Schuh wirkt nach einer Studie sogar 10-fach. Jede 100 Gramm weniger am Fuß wirken wie ein gespartes Kilo im Rucksack.
Auf jeden Fall sollten die Schuhe wasserdicht sein, d. h. atmungsaktives Gore-Tex Material (GTX) verwenden und mindestens 1 bis 1 1/2 Nummern größer ausfallen.

Nach vielen Geschäften und langem An- und Ausprobieren habe ich zwischen zwei Modellen geschwankt: dem Asics Gel-Venture 7 Wp und dem adidas TERREX EASTRAIL GORE-TEX, jeweils in Größe 46 (regulär habe ich 44 1/2). Entschieden hatte ich mich letztendlich für den Asics wegen des butterweichen Laufgefühls, werde aber höchstwahrscheinlich für die nächste Reise den Adidas Schuh ausprobieren. Margot hatte sich für den jetzt nicht mehr erhältlichen Vorläufer des Salomon XA LITE GTX W in Größe 40 2/3 (regulär 39) entschieden. Die Schuhe hatten sich toll bewährt, brauchen aber nach nun fast 1000 Laufkilometern wahrscheinlich bald Ersatz. Übrigens, die Schuhe waren bereits nach 3 Trainingsparcours perfekt eingelaufen.
Ein paar Anregungen für die richtige Schuhwahl kann der künftige Pilger ohne Wandererfahrung auch hier oder hier nachlesen.

 

Da wir ursprünglich vorgehabt hatten, in Spanien den bergigen Küstenweg zu gehen, hatten wir uns auch aufgrund unserer Wandererfahrungen im alpinen Bergland dazu entschlossen, Wanderstöcke ins Gepäck mit aufzunehmen.

Die Frage war nun, sollten es Teleskopstöcke sein oder vielleicht doch eher sogenannte faltbare Z-Stöcke? Unsere alten Teleskopstöcke sind in der Drehverschluss-Innenklemmung nicht mehr stabil, wodurch sie sich bei Benutzung zusammenschieben. Aus dem Grund mussten also neue Wanderstöcke her.

Die alten Stöcke waren zwar bereits sehr leicht, aber es gab darüber hinaus noch einige andere Kriterien zu berücksichtigen, wie z. B. die Materialauswahl, das Packmaß, Griffform und -material sowie die Klemmtechnik. Nach ausgiebiger Recherche zu diesem Thema, wie z. B. hierdadort oder auf dieser Seite hatten wir uns dann für folgende Kombination entschieden:

  • Alu-Stöcke, wegen des besseren Preis-Leistungs-Verhältnisses. Die Gewichtsersparnis von Carbon erschien uns dagegen nicht gewichtig genug.
  • Ausführung als Faltstöcke, da uns das wesentlich geringere Packmaß bei der Befestigung am Rucksack viel wichtiger erschien.
  • Griffe aus Kork, da sie ergonomisch geformt sind, sich gut anfassen und schnell wieder trocknen, jeweils mit nach unten verlängertem Griffbereich aus EVA-Schaum, damit sie z. B. bei Hangquerungen kürzer gehalten werden können, ohne gleich in der Länge verstellt werden zu müssen. Am oberen Ende sollten sie Griffkappen haben, um sich bergab darauf einfach abstützen zu können.

Die genannten Anforderungen konnten bereits bei sehr günstigen Modellen erfüllt werden. Wir hatten uns dann für dieses Modell entscheiden, allerdings musste ich die Säume an den Schlaufen mit Heißluft vorsichtig glätten, da sie bei langer Benutzung in den Handflächen scheuerten.

Ein kleiner Tipp sei hier gleich noch erwähnt: Bei vielen Kilometern auf Asphalt-Wegen ist der Verschleiß der Gummipuffer sehr hoch, sodass sie bei uns bald durchgestoßen waren. Das Klappern der Stöcke hat schon sehr an den Nerven gezehrt, bis wir unterwegs dann endlich für Nachschub sorgen konnten. Also, lieber gleich ein paar auf Reserve mitnehmen, soviel Mehrgewicht kommt dadurch ja auch gar nicht zustande.

 

Wer seine »Sieben Sachen« selbst auf dem Buckel schultern muss, hat sich früher einen festen, schweren Schuh und einen stabilen Rucksack mit starrem Tragesystem gekauft. Inzwischen allerdings geht der Trend - zu Recht - hin zu immer leichterer Ausrüstung.

So groß wie auf diesem Bild sollte der Rucksack tatsächlich auf keinen Fall sein. Dennoch gibt es einige Kriterien, die bedacht werden wollen, denn grundsätzlich gilt, jedes Gramm zu viel auf dem Rücken zehrt unnötig an den Kraftreserven und sollte tunlichst vermieden werden.

Wir waren nun wirklich in sehr, sehr vielen Geschäften in etlichen Städten unterwegs und haben nach Rucksäcken Ausschau gehalten und ausprobiert. Aber letztendlich waren doch immer nur dieselben Rucksäcke von denselben ein oder zwei Herstellern im Angebot der Händler zu sehen. Und die waren auch noch unwahrscheinlich teuer. Dafür, dass wir noch nicht einmal genau wussten, welche Größe oder welche Ausführung wir für unseren ersten Jakobsweg eigentlich brauchen, war uns die Geldausgabe für einen möglichen Fehlkauf einfach viel zu hoch. Aus dem Grund hielten wir nach einer günstigeren Alternative Ausschau.

Die wichtigste Frage am Anfang sollte eigentlich die nach der Größe des Rucksacks sein, um das Angebot von vorne herein einzugrenzen. Entscheidend ist nämlich nicht, wie lange man unterwegs ist, sondern vielmehr unter welchen Umständen. Bei 3 Wochen kommt man ums Kleidung waschen sowieso nicht herum. Wenn man nicht zeltet und nicht selbst kocht, braucht man auch keine diesbezügliche Ausrüstung. Die gewählte Größe mit 40 l war, im Nachhinein gesehen, genau die richtige Wahl. Alles darüber hinaus verleitet nur dazu, dass man zu viel mitnimmt, etwas weniger wäre dann aber doch zu klein gewesen.

Letztendlich haben wir uns nach intensiven Recherchen und Anproben für den sehr leichten Rucksack Quechua MH500 von Decathlon mit sehr günstigem Preis-/Leistungsverhältnis entschieden. Diesen Wanderrucksack gab es als Männer- und Frauenmodell. Das resultierte offensichtlich in einem der jeweiligen Anatomie besser angepassten Tragesystem. Die Bewertungen und Tests zu diesem Rucksack waren durchweg positiv. Einziges Manko sollte der zu schmale und ungepolsterte Beckengurt sein, sodass er bei länger Tragedauer angeblich drücken sollte. Allerdings hatten wir mit diesem Gurt überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil.

Ein weiteres Problem dieses Rucksack-Modells war, dass kein Flaschenhalter vorgesehen war, sondern der Einsatz einer Trinkblase. Davon halten wir allerdings nichts, weil man bei anderen Flüssigkeiten als Wasser unterwegs ein Problem mit dem Saubermachen hat. Das Erreichen der Flasche ohne Abschnallen des Rucksacks wäre für uns auch kein Problem, da wir zu zweit wären und jeder die Flasche des anderen tragen würde. Aus diesem Grund haben wir uns nach einer alternativen Getränkebefestigung umgesehen. Ebenfalls bei Decathlon gibt es diese Getränkehalter in verschiedenen Größen. Wir haben uns für die 0,8 l Ausführung entschieden, die wir einfach mit den beiliegenden Gurtbändern und einer kleinen Näharbeit an passender Stelle am Rucksack befestigt hatten. Eine durchweg gelungene Lösung!

Das Training ...

Uns war natürlich schon klar, dass man nicht einfach packen und dann mal eben so losmarschieren kann. Ein wenig Training sollte da vorher schon gewesen sein, speziell als Couch-Potato in unserem Alter und unserem Fitnesszustand.

Und so marschierten wir ab Februar Runde um Runde, Tag um Tag, zwei bis drei Mal die Woche, 6 bis 8 km und am Wochenende durfte es auch mal mehr und mit Rucksack sein. Inzwischen kennen wir sämtliche Wanderwege in unserer näheren und weiteren Umgebung.

Allerdings marschierten wir nicht immer mit den neuen Wanderschuhen, weil die überraschenderweise bereits nach ein paar Tagen eingelaufen waren und wir sie deshalb lieber für den eigentlichen Jakobsweg "aufheben" wollten.

Nach einiger Zeit konnten wir durchaus eine deutliche Steigerung der Fitness und Abnahme der Muskelkater feststellen. Unsere Gehgeschwindigkeit hat sich (ohne Rucksack) auf durchschnittlich fast 6 km/h gesteigert, sodass wir mittlerweile gar nicht mehr "normal" Spazierengehen können.

Auch hatten wir Ausflüge ins Gebirge unternommen, um das Gehen mit ca. 8 kg Gewicht im neuen Rucksack zu proben oder auch mal eine Tegernsee-Umrundung (ca. 20 km), um uns an die möglichen Tagesetappen-Entfernungen heranzutasten. Das sollte man alles vorher einzuschätzen lernen.

Die Packliste ...

Und dann war da ja auch noch das leidige Thema packen des Rucksacks. Was nimmt man mit? Was nimmt man auf keinen Fall mit? Auf was kann man noch verzichten? Wie kann man am besten noch ein paar Gramm Gewicht sparen?

Im Internet gibt es unzählige Jakobsweg-Packlisten. Wir haben etliche Listen zusammengetragen, alle abgeglichen und auf unsere Vorstellungen angepasst. Diese Liste hat für die Bedürfnisse auf unserer ersten Jakobswanderung außerordentlich gut gepasst. Ein paar kleinere Anpassungen an der Packliste sind danach noch vorgenommen und eingearbeitet worden. Diese Checkliste können sich Interessierte hier gerne als Anregung runterladen. Dabei bedeutet 'Ja' lediglich, dass diese Dinge bereits vorab angeschafft wurden.

Der komplette Rucksack-Inhalt gemäß unserer Packliste

Jeden Gegenstand, den wir gekauft und letztendlich eingepackt haben, hatten wir unter Gewichtsaspekten ausgesucht. Trotz zusätzlichen Gewichts haben wir uns allerdings dennoch dazu entschlossen, eine sehr kleine, gute Kamera mitzunehmen, da wir unsere Reise ja mit gutem Bildmaterial auch angemessen dokumentieren wollten.

Das Gewichtsparen muss allerdings nicht soweit gehen, dass man tatsächlich alle Etiketten aus den T-Shirts rausschneidet, aber bei bewusster Auswahl lässt sich eine Menge Gramm einsparen. So hatten wir uns, nur als kleines Beispiel, für eine ganz leichte Stirnlampe mit Akku entschieden (45 g) - das USB-Multi-Ladegerät hatten wir ja sowieso dabei - weil dadurch z. B. das Gewicht für Batterien wegfällt und die Lampe wesentlich kleiner sein kann.

Der feuchtete Waschlappen im Gepäck hat sich nicht bewährt. Dagegen war ein Schweißtuch, das man einfach am Rucksack befestigt und so jederzeit griffbereit hat, sehr angenehm.

Ein Punkt, den wir beim nächsten Mal verbessern wollen, ist der Schlafsack. Wir mussten den mitgeschleppten Mumienschlafsack tatsächlich einmal verwenden, als wir in einem Baumhaus übernachtet hatten. Allerdings sind wir beide nicht dafür geschaffen, in so etwas zu nächtigen. Es ist schlichtweg so unbequem, weil man Null Bewegungsfreiheit hat, dass wir fast kein Auge zugetan haben - noch dazu im Sommer! Stattdessen werden wir künftig wohl eher einen größeren, aber dennoch leichteren Hüttenschlafsack einpacken.

Ein ganz tolles Video zum Thema Jakobsweg Packliste hat Michael Fenz auf YouTube bereitgestellt.

Hier geht er detailliert darauf ein, welche Packliste für einen Camino wirklich Sinn macht. Dabei war es ihm wichtig, auf die einzelnen Ausrüstungsgegenstände sehr genau einzugehen und auch Vor- und Nachteile zu nennen. Die Packliste eignet sich für alle gängigen Caminos wie den Camino Frances, den Camino Portugues oder den Camino del Norte.

Die Reise-Doku ...

Für uns war es wichtig, die Reise auch geeignet dokumentieren zu können. Für dieses Vorhaben findet man viele verschiedene Apps fürs Smartphone.
Wofür auch immer man sich entscheidet, wichtig ist es, diese Hilfsmittel zu Hause bereits ausgiebig zu testen und sich in der Bedienung zu üben, um sich Enttäuschungen während der Reise zu ersparen.

 

Die Tracking-App

Hierzu wollten wir unter anderem die von uns zurückgelegte Wegstrecke als Touren-Tracks aufzeichnen. Dazu eignen sich sogenannte Geo-Tracker-Apps für das Smartphone.

Dabei stand von vornherein weniger das Routen-Planen und -Navigieren im Vordergrund als vielmehr das Tracking der zurückgelegten Wegstrecke. Für reine Navigationsaspekte kann einem z. B. Google Maps ausreichend Hilfe bieten, um beispielsweise zu einer Herberge zu finden oder Ähnliches mehr.

Nach einer kurzen Recherche fing ich zunächst mit Locus Map (Pro) in der Free-Version das Testen an. Was soll ich sagen - ich bin gleich dabei geblieben.
Dieser Tracker mutet zunächst etwas unübersichtlich und komplex an, aber wie es halt immer so ist, dafür kann man auch wirklich alles einstellen und für die eigenen Bedürfnisse passend konfigurieren.
Ganz wichtig war uns natürlich, dass die Routeninformationen für eine spätere Weiterverarbeitung geeignet exportiert werden konnten. Das geht in diesem Fall mittels GPX-Dateien.

Natürlich kann man parallel zum Aufzeichnen der eigenen Route auch vorab bereitgestellte GPX-Tracks, die man z. B. zuhauf im Internet finden kann oder die teilweise von den Outdoor Pilgerführern zum Download angeboten werden, in die App laden und sich so den geplanten Weg anzeigen lassen. Wer will, kann sich von der App auf dieser Route auch zum Ziel navigieren lassen.

Während der Testphase konnte ich feststellen, dass man einige Optionen der Tracking App gezielt einstellen muss, damit das Tracking ohne Fehler und Unterbrechungen ordentlich durchgeführt wird.
Ansonsten kann es passieren, dass Android die App killt, die GPS-Signalverfolgung verloren geht oder die Tracks Lücken aufweisen und Ähnliches mehr. Hier einige wichtige Aspekte zum Einstellen unter Android bzw. in der App:

Einstellungen in Android:
- App-Info: Energiesparmodus: KEINE BESCHRÄNKUNGEN

Einstellungen in der App:
- Steuerung->Anzeige: Bildschirm entsperren: ON
- GPS und Sensoren: beim Start der Anwendung aktivieren: IMMER
- GPS und Sensoren: Deaktivieren wenn Anwendung im Hintergrund ist: OFF
- GPS und Sensoren: GPS während der Track-Aufzeichnung einschalten: ON
- GPS und Sensoren: GPS während der Zielführung einschalten: ON
- GPS und Sensoren: GPS Auto-Aus: DEAKTIVIERT
- GPS und Sensoren: Google-Dienst unterstützte Standortbestimmung: ON
- Verschiedenes: starte Locus Map als Service : ON

Auf der Reise hatte ich mir den Pro-Upgrade gekauft, um die Tracks besser editieren und korrigieren zu können, da am Anfang doch wieder Lücken oder andere Unsauberkeiten aufgetreten sind. Allerdings musste ich dann feststellen, dass solche Tätigkeiten auf einem Smartphone zur Verzweiflung führen können.
Ich habe dies dann nachträglich zu Hause auf dem PC in aller Ruhe mit dem kostenlosen Track-Editor für Windows GPX Editor ganz bequem, schnell und genau erledigten können.

Einen detaillierten Vergleich der drei verfügbaren Versionen von Locus Map Pro kann man sich hier ansehen. Ich wäre in jedem Fall auch mit der kostenlosen Version ausgekommen, die Werbe-Zeile in der App stört nicht weiter und die fehlenden Features sind für meine Zwecke nicht ausschlaggebend.

 

Das Pilger-Tagebuch

Auf unserer ersten Pilgerreise hatte Margot die Vorstellung, die wichtigsten Reiseeindrücke und -Erlebnisse abends nach der Wanderung in einem Tagebuch festzuhalten - Erinnerungen sind sehr flüchtig! Hierzu diente ihr ein klassisches, kleines 'analoges' Büchlein.

In der Nachbetrachtung stellte sich jedoch heraus, dass die Einträge im Tagebuch sich mehr oder weniger mit dem WhatsApp-Chat deckten, der tagsüber ganz einfach und mühelos nebenher entstand. Das war also im Prinzip unnötige und anstrengende Doppelarbeit. Das wollten wir für unsere nächste Reise ändern. Das neue Hilfsmittel sollte sowohl der Reise-Dokumentation, -Archivierung, sowie der Unterrichtung von Interessierten über unseren Verbleib dienen.

Eine Recherche, wie andere so etwas meistern, führte uns zu sogenannten 'digitalen Reisetagebüchern'. Hierbei handelt es sich Web-Portale, die bereits den Rahmen für solche Berichte bieten. Sie beinhalten meist automatisches Routen-Tracking, Kommentarfunktionen, Wetterinformationen und Ähnliches.
Bei unserer Suche nach einer geeigneten Travel Tracker App ergaben sich gleich zu Anfang einige Fragen, die wir während unserer Trainingswanderungen nach und nach für uns klären konnten. Unsere persönlichen Erfahrungen haben wir hier an dieser Stelle zusammen getragen, falls ihr ebenfalls Antworten zu diesem Thema suchen solltet.

- Wie einfach ist die Bedienung?
- Wie ansprechend ist das Ergebnis?
- Wie ist die Fotoqualität?
- Kann man von zu Hause nachträglich etwas hinzufügen (Fotos, Steps)
- Kann man die Bildunterschriften (bei mehreren Bildern pro Step) nachträglich ändern?
- Braucht man unbedingt die zugehörige App, um die Reise zu verfolgen?
- Wie kann man zu zweit eine gemeinsame Reise bearbeiten
- Kann ein Co-Autor die footprints des Haupt Autors bearbeiten oder ergänzen?
- Bleibt die Timeline erhalten wenn "wüst durcheinander" veröffentlicht wird?
- Kann man das Reiseprofil ändern von öffentlich auf privat und umgekehrt?
- Ändert sich dadurch der Link auf die Reise?
- Was bringt es einem follower für Vorteile - Benachrichtigen?
- Kann man (unliebsame) user sperren
- Gibt es eine Kaufversion und welche Vorteile bringt das?

 

1. Kandidat: Polarsteps

  • Vorteile:
    - Einzelveröffentlichungen von Steps sind möglich
    - Statusmeldungen für Daheimgebliebene
    - Außerordentlich gute Timeline und Darstellung der Karte im Browser
    - Sehr schnell bei der Anlage eines Steps
    - Keine Unterscheidung zwischen Basis- und Premiumversion
  • Nachteile:
    - Registrierung nötig
    - Ein Folgen mit automatischen Nachrichten-Updates ist nur mit installierter App möglich
    - Jede Aktion (liken, scrollen, kommentieren etc.) geht nur als registrierter Nutzer
    - Dickes Minus: in der Standard Einstellung (mittlere Genauigkeit) sind die Track Positionen extrem ungenau und sprunghaft, wodurch Fotos an völlig falschen Positionen abgespeichert werden. Erst in der höchsten Genauigkeit (starker Energieverbrauch) sind die getrackten Routen für uns brauchbar
    - Wer ein Foto teilen will, muss für gesamte Reise die Privatsphäreneinstellung ändern
    - Kein Export der App-Inhalte möglich

2. Kandidat: FindPenguins

  • Vorteile:
    - Hinzufügbare Reisepartner befüllen Reisetagebuch mit (müssen ebenfalls registriert sein)
    - Nachbearbeitungen sind möglich (Zusätzliche Routen-Punkte nachträglich einfügbar!)
    - Interessante Einstellmöglichkeiten bei den Routen Optionen (Tage zählen, Kartenstil, etc.)
    - GPX Dateien sind in einen footprint hochladbar und werden auf einer Karte dargestellt
    - Kommentieren geht auch ohne Registrierung (Liken nicht)
    - Gute Privatsphäre Einstellmöglichkeiten
    - Nutzer lassen sich sperren
  • Nachteile:
    - Registrierung nötig
    - Unübersichtliche, etwas umständliche Bedienung, viel zu viele Tastendrücke nötig
    - Zwang zur Überschrift pro footprint ist hinderlich
    - Eine Timeline nicht gut erkennbar
    - In der Basisversion Werbeeinblendung in App
    - begrenzte Bilderzahl und limitierte Funktionen in der kostenlosen Version

3. Kandidat: Journi Blog

  • Vorteile:
    - Speicherbare Bilderzahl: Unbegrenzt in der Basisversion, hochauflösend in der Pro-Version
    - Hinzufügbare Co-Autoren befüllen Reisetagebuch mit
    - viel Gestaltungsfreiheit beim Buch
    - intuitive Bedienung
  • Nachteile:
    - Registrierung nötig
    - Einträge am Laptop oder PC nur zum Ansehen, editierbar ausschließlich in der App
    - Prinzipiell kann offline gearbeitet werden, aber eine gezielte Speicherung als Entwurf mit späterem Hochladen über WLAN ist nicht möglich, d.h. das Datenvolumen wird extrem stark belastet. (Einzige Option: Bilder in Original Größe sollen ausschließlich per WLAN hochgeladen werden)
    - limitierte Funktionen in kostenloser Version

 

Fazit – Unser Testergebnis

Generell muss gleich vorausgeschickt werden, dass wir nicht alle Funktionen untersucht und bewertet haben, die die unterschiedlichen Tools bieten, sondern nur diejenigen, die für unsere Belange unverzichtbar oder ausschlaggebend waren. Meistens werden noch das Planen von Reisen, das Gestalten von Fotobüchern über die jeweiligen Reisen, eigene Communitys und etliches mehr angeboten.

Alle drei vorgestellten Reisetagebuch-Apps eignen sich auf ihre Art und Weise dafür, Urlaubsmomente festzuhalten und mit anderen zu teilen. Durch die Möglichkeit, die einzelnen Stationen der Reise mit Bildern und Texten zu versehen, eignen sich die Apps auch gut dafür, einen längeren Auslandsaufenthalt von Familie oder Freunden mitzuverfolgen.

Obwohl die Bedienung nicht sehr intuitiv ist und die Erstellung von footprints umständlich ist, haben wir uns konkret für FindPenguins entschieden, da das parallele Bearbeiten durch alle Mitreisenden ein äußerst wichtiges Argument darstellte. Das ist zwar auch bei Journi der Fall, allerdings ist die fehlende Nachbearbeitbarkeit der Reise auf dem PC für uns ein No-Go. Bei polarsteps ist zwar die Darstellung der Reise, die Timeline und die Bedienung absolut überzeugend, aber leider sind keine beitragenden Mitreisenden, sogenannte Co-Autoren, hinzufügbar.
Ein ganz schlimmer Umstand hat uns bewogen, polarsteps sofort aus dem Rennen zu werfen: die ungenügende Genauigkeit der aufgezeichneten Track-Punkte. Dadurch ergaben sich völlig wüste Zick-Zack-Routen und die Fotos in den steps lagen oftmals an falschen Koordinaten, unabhängig davon, ob sie mit der Kamera-App aufgenommen wurden oder mit der polarsteps-App. Die Koordinaten in den Bildern waren dabei allerdings korrekt, der Fehler lag somit in der App-Datenaufzeichnung. Dies konnte erst durch das Umstellen auf die batteriehungrige 'höchste GPS-Genauigkeit' behoben werden.
Ein weiteres wichtiges Kriterium stellt die Möglichkeit zum verzögerten Upload einzelner footprints, steps oder Journi-Momente dar, damit durch die umfangreichen Bild- oder Video-Daten das Datenvolumen unterwegs nicht unnötig belastet wird, indem sie beispielsweise erst in der Unterkunft per WLAN hochgeladen werden. Das ist bei Journi nur ungenügend steuerbar.

letzte Aktualisierung:  15.01.2024      © Kaudelka 2024